Greif-Velox A-DOS-K: So können hochtoxische Flüssigkeiten sicher abgefüllt werden

Gerade bei der Abfüllung von hochtoxischen, karzinogenen oder stark ätzenden Stoffen, wie zum Beispiel Flusssäure oder Formaldehyd, steht die Sicherheit der Mitarbeiter im Vordergrund. Greif-Velox hat daher die Vorgaben der TRGS 500 (Technische Regeln für Gefahrstoffe) für die Kanisterabfüllanlage umgesetzt und ein geschlossenes System entwickelt, um das Kontaktrisiko mit gefährlichen Substanzen auf null zu reduzieren.


Containment mit siebenstufigem Sicherheitssystem


Der Abfüllbereich ist komplett eingekapselt („Containment“), sodass keine gefährlichen Substanzen entweichen und mit Mitarbeitern in Berührung kommen könnten. Folgende weitere Eigenschaften zeichnen die Anlage aus rostfreiem Edelstahl aus:


1. Automatische Erfassung der Etikettendaten


Die Etiketten werden vollautomatisch auf den Kanistern angebracht – überwacht von einem Kamerasystem. Es erfasst neben der Lage der Etiketten auch die Etikettendaten (QR-Code), sodass diese mit den Auftragsdaten verglichen werden können. Damit wird sichergestellt, dass alle Warnhinweise korrekt auf den Gebinden angebracht sind und kein Produkt in ein nicht ordnungsgemäß ausgezeichnetes und zugehöriges Gebinde gelangt. Auch das ist eine Schutzmaßnahme für die Mitarbeiter sowie die Endkunden.


2. Gebindekontrolle


Nachdem die Kanister in den Abfüllbereich transportiert worden sind, wird ihre Anwesenheit und ihr Tara-Gewicht geprüft. Dies ist eine zusätzliche Sicherheits- und Qualitätskontrolle: Die Kanister werden nur befüllt, wenn diese mit den vorgegebenen Werten hinsichtlich Gebindetyp und -gewicht übereinstimmen. Durch diese weitere Prüfung wird sichergestellt, dass das Produktgewicht zum zugeführten Kanistertyp passt und es zu keiner Überfüllung kommen kann. 


3. Eichgenaue Befüllung und Absaugung während der Abfüllung

Haben die Gebinde die Kontrolle bestanden, werden die Substanzen darauffolgend automatisch eich- und waagengenau abgefüllt, damit die Gebinde gesetzeskonform in Verkehr gebracht werden können.
Während der Abfüllung ist ständig die Spundlochabsaugung direkt an der Emissionsquelle, dem Spundloch, aktiv.


4. Automatisches Abschalten bei Überfüllung und Leckagen

Sollte beim Abfüllen ein Gebinde überfüllt werden oder sollte es zu einer Leckage durch einen undichten Kanister kommen, greift ein automatischer Stopp-Mechanismus. Die überschüssige Flüssigkeit landet in diesem Fall sicher in einer Auffangwanne mit entsprechender Detektion durch einen Liquiphanten. Auf diese Weise werden die Mitarbeiter in der Fertigung geschützt, denn es kommt zu keinem Stoffaustritt der hoch toxischen Substanzen aus der Anlage.


5. Sicherer Verschließprozess

Beim Verschließen der Gebinde gibt es strenge Vorgaben bezüglich des Zuschraub-Drehmoments. Dieses wird bei jedem Gebinde vom System genau kontrolliert und dokumentiert, um einen Nachweis und eine Nachverfolgbarkeit zu erhalten. Mit diesem Verfahren wird zum einen sichergestellt, dass die Gebinde richtig verschlossen sind und so in der Fertigung kein Mitarbeiter durch ausgetretenes Produkt zu Schaden kommt. Darüber hinaus sind zum anderen nachweisbar sicher verschlossene Kanister für den weiteren reibungslosen Transport von essenzieller Bedeutung. Denn bei Produktaustritt kann es für die Produzenten sehr teuer werden: In diesem Fall müssen möglicherweise eine Straße gesperrt oder – je nach Transportweg und Lagerung – eine Halle oder ein ganzes Schiff geräumt und dekontaminiert werden, da die giftigen oder leicht entzündlichen Stoffe Menschen gefährden können. Solche Einsätze verursachen schnell finanzielle Schäden im fünfstelligen Bereich.
Zusätzlich ist die Anlage mit einer automatischen Deckel-Farberkennung und einer Dichtungserkennung ausgestattet – so ist sichergestellt, dass immer der richtige Deckel (Standard- oder Entgaserdeckel) auf die Gebinde geschraubt und sich immer eine Napfdichtung im Deckel befindet.

Gebinden eingesetzt werden, sodass kein kompliziertes Umrüsten der Anlage bei Produktwechseln nötig ist.


6. Automatische Palettierung und Ladungssicherung


Nachdem die flüssigen Stoffe sicher abgefüllt und die Gebinde verschlossen worden sind, geht es an die Palettierung. Auch hier hat die Sicherheit höchste Priorität: Der Prozess läuft vollautomatisch und es ist zum Schutz der Mitarbeiter kein manueller Eingriff notwendig. Der Vier-Achs-Roboter Velopack platziert zuerst die Palette und darauf einen Pappaufleger, um mögliche Beschädigungen des Kanisters durch hervorstehende Nägel oder Ähnliches zu vermeiden. Anschließend werden die Kanister abhängig von Kanistergröße und Palettentyp auf der Palette angeordnet. Der Roboter Velopack ist nicht nur flexibel im Aufbau verschiedener Palettenbilder; er garantiert auch ein präzises Packbild, was im Folgenden die Ladungssicherung durch automatischen Deckblattaufleger und Stretchwickler (bei stehender Palette) ermöglicht unabhängig von der Gebindegröße.


7. Highlight: Vollautomatischer Produktwechsel und Reinigung der Anlage

Die Anlage ist mit drei voneinander unabhängigen Füll- und Reinigungseinheiten für den Produktweg ausgestattet. Dadurch wird es möglich, parallel auf einer Station abzufüllen, eine zweite zu reinigen und mit einer dritten eine Beprobung durchzuführen – und dies alles ohne manuellen Bedienereingriff des Operators an produktführenden Baugruppen.
Soll das Produkt gewechselt oder die Anlage gewartet werden, können die produktberührten Anlagenteile vollautomatisch gereinigt und dekontaminiert werden – inklusive automatischer Spülung des Tropfenfangsystems. Damit gewährleistet die Greif-Velox A-DOS-K eine sehr hohe Flexibilität: Der Kunde kann ohne komplizierte Umbauten verschiedene Produkttypen mit der Anlage sicher abfüllen. Durch die vollautomatische Reinigung der Anlage kommt es zu keiner Vermischung der Produkte untereinander, die möglicherweise durch chemische Reaktionen große Schäden anrichten könnten. Mehr noch: Durch die sichere Reinigung ohne manuellen Bedienereingriff gibt es auch keinerlei Rückstände von nicht erwünschten Produkten in den Gebinden. So ist tatsächlich nur das in den Kanistern, was auf den Etiketten eindeutig ausgezeichnet ist.

Fazit


Diese Features, mit denen die Anlage je nach Bedarf erweitert werden kann, führen dazu, dass hochsensible und gefährliche Substanzen absolut sicher nach der neusten Fassung der TRGS 500 abgefüllt werden können. Denn: Personal und Produkt sind voneinander getrennt und so beide geschützt. Weder können gefährliche Substanzen aus dem Produktionsprozess entweichen noch wird das Produkt durch Fremdstoffe in der Umwelt verunreinigt. Dank mehrfacher eingebauter Sicherheitskontrollen nach dem STOP-Prinzip werden sowohl die Arbeitssicherheit als auch die Ladungs- und Transportsicherheit beim Handling der hochtoxischen Flüssigkeiten massiv erhöht.

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