Der Kunde
Schülke & Mayr steht seit mehr als 135 Jahren für Innovation, Qualität und Sicherheit in der Infektionsprävention. Das Unternehmen entwickelt und produziert Desinfektionsmittel, Antiseptika und medizinische Hautpflegeprodukte für Branchen mit hohen Anforderungen an Hygiene und Produktsicherheit. Die in dieser Fallstudie beschriebene Anlage wurde für den Hauptstandort in Norderstedt (Schleswig-Holstein) konzipiert.
Die Ausgangssituation
Am Standort war eine Fassabfüllanlage mit Rollbahnsystem für An- und Abtransport installiert, die aufgrund geringer Auslastung nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte. Parallel stieg die Nachfrage nach IBC-Abfüllungen deutlich an. Eine bestehende IBC-Abfüllanlage mit einer Bodenwaage reichte zur Deckung der Produktionsmengen nicht mehr aus. Ziel war daher die Integration einer zusätzlichen IBC-Lösung in die vorhandene Infrastruktur.
Die Anforderung
Im Rahmen einer Konzeptprüfung wurden zwei Varianten gegenübergestellt: eine stärker automatisierte Lösung mit Rollbahnen sowie eine halbautomatische Lösung mit zwei Bodenwaagen. Die Analyse zeigte, dass der manuelle Aufwand in beiden Varianten vergleichbar war. Aufgrund geringerer baulicher Eingriffe, einfacherer Integration und niedrigeren Installationsaufwands fiel die Entscheidung zugunsten der konstruktiv schlankeren Lösung mit zwei Bodenwaagen.
Darüber hinaus stellte Schülke & Mayr folgende Anforderungen an die Anlage:
- ATEX-konforme Ausführung für alkoholhaltige Medien
- hohe Wiegegenauigkeit und rückverfolgbare Dokumentation
- flexible Abfüllung von IBCs und Fässern
- hohe Durchsatzleistung
- fehlertolerantes, sicherheitsfokussiertes Anlagenkonzept
Die Lösung
GREIF-VELOX realisierte eine maßgeschneiderte R-DOS-Abfüllanlage in ATEX-konformer Ausführung, die den sicheren Umgang mit brennbaren, alkoholbasierten Produkten gewährleistet. Die Abfüllung erfolgt im Wechselbetrieb über zwei im Boden eingelassene Bodenwaagen: Während ein IBC befüllt wird, wird der nächste Behälter vorbereitet. Nach Erreichen der Sollmenge verschwenkt das Bedienpersonal das Füllsystem innerhalb weniger Sekunden manuell auf die zweite Waage. So entsteht ein nahezu kontinuierlicher Abfüllprozess mit minimalen Umschaltzeiten.
Die Anlage ist flexibel ausgelegt und ermöglicht sowohl die IBC- als auch die Fassabfüllung ohne aufwendige Umrüstung, da die Abfüllparameter speicherbar und produktspezifisch abrufbar sind. Ein weiterer Bestandteil der Lösung ist die direkte Chargendokumentation mit integriertem Ausdruck – ohne zusätzliche Schnittstellen. Abgefüllt werden alkoholbasierte Desinfektionsmittel in IBCs und Fässer auf Palette.
Prozesssicherheit und Fehlertoleranz
Das Anlagenkonzept berücksichtigt bewusst mögliche Bedienfehler und ist entsprechend überwacht. Trotz reduzierter Messtechnik verfügt das System über redundante Sicherheitsmechanismen. Die Überfüllsicherung erfolgt zweifach – über die Gewichtserfassung der Bodenwaage sowie über einen integrierten Staudrucksensor im Füllventil. Der Staudrucksensor übernimmt zusätzlich Funktionen zur Doppelfüllerkennung und unterstützt die gewichtsbasierte Hochsteuerung. Diese redundante Auslegung wurde insbesondere im Rahmen der Abnahmen vom Kunden positiv bewertet.
Das Ergebnis: höhere Abfüllleistung bei durchgängigem ATEX-Schutz
Die neue Anlage erreicht eine Leistung von bis zu 12 IBCs oder bis zu 45 Fässern pro Stunde. Im Vergleich zu einer bestehenden Fremdanlage konnte die Füllzeit pro IBC von sieben Minuten auf viereinhalb Minuten reduziert werden.
Mit der neuen Anlage deckt Schülke & Mayr die steigende IBC-Nachfrage effizient ab, erhöht die Abfüllleistung deutlich und erfüllt zugleich die Sicherheitsanforderungen im ATEX-Bereich. Die Integration in die bestehende Infrastruktur erfolgte mit überschaubarem Installationsaufwand. Durch die Kombination aus hoher Leistung, Flexibilität und schlankem Anlagenaufbau entstand eine technisch robuste und wirtschaftlich sinnvolle Lösung.